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„Große
Welt im Kleinformat -
Zinnfiguren
zeigen Kultur und Geschichte“
titelt
eine Ausstellung im Stadtmuseum, die bis zum 30. März zu sehen ist. Die Schau
der 3500 Miniaturen wurde von dem Präsidenten der „Friedensreiter“ –
Gesellschaft der Freunde kulturhistorischer Zinnfiguren e.v. Westfalen-Münster-Osnabrück
Günther Dunze vor großem Publikum eröffnet.
„Zinnfiguren bilden heute
eine fast unüberschaubare Palette von Miniaturen in den unterschiedlichsten
Formen, Größen und Bemalungen“, führte Dunze in das breite Spektrum der
Zinnfigurenwelt ein. Mit den malerischen Figürchen ließen sich Szenen von den
Zeiten der Dinosaurier bis in die Moderne nachstellen. Um die Jugend wieder für
die Zinnfigur zu begeistern, gebe es inzwischen auch eine „Star War Serie“,
Kampfzwerge, auferstandene Mumien und Dunkelelfen, die an die Stelle kämpfender
Ägypter, Griechen, Römer und Germanen getreten seien. Entgegen der ländläufigen
Meinung, dass sich die Sammler überwiegend für Zinnsoldaten interessierten,
entsprächen über zwei Drittel aller Figuren zivilen Motiven. Während in der
Blütezeit – in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – das
Zinnfigurensammeln eine Domäne der Männer gewesen sei, gebe es heute auch
aktive Sammlerinnen wie Gisela Fichtner und Doris Göller, die mit feinbemalten
Allegorien, Blumenkindern und Tierfiguren in der Quakenbrücker Ausstellung
vertreten sind. Die wunderschönen Märchenfiguren stammten aus der Sammlung von
Ursula Rabe. Zu den Glanzstücken der Ausstellung zählten jedoch die
beleuchteten Dioramen, die von Ingrid Nuyken gefertigt worden seien. „Wir
haben uns entschlossen, hier nicht nur Zinnfiguren in „extrafeiner
Sammlerbemalung bzw. Künstlerbemalung“ zu zeigen. Neben Figuren in schlichter
Bemalung stehen Vertreter der Massenware aus der Fertigung vor 100 Jahren“,
verwies Dunze auf die plakativ gestalteten Figuren, die im harten Spielbetrieb
schon Einiges an Farbe eingebüßt hätten.

Die Präsentation im
Stadtmuseum ist jeweils Donnerstag und Samstag von 15 bis 18 Uhr sowie Sonntag
10,30 bis 17 Uhr zu sehen. Auch am zweiten Weihnachtstag ist das Museum von
10,30 bis 17 Uhr geöffnet.
Heiß her ging es im
Stadtmuseum, als Heinrich Jeismann aus Unna-Hemmerde im Rahmen der
Zinnfiguren-Sonderausstellung mit seinem Schaugießen viele Besucher zum
Betrachten und Kaufen anlockte.
„Ich war zehn Jahre alt, als mein Onkel (Porzellanmaler) mir aus Nürnberg
die erste Zinnfigur mitgebracht hat“, erinnert sich der 78-jährige Heinrich
Jeismann. Vierzig Jahre später schenkte ihm sein Sohn ein Stück Schiefer. Da
dachte er: „Ich probier’s mal“. So begann der technische Zeichner,
Schablonen in Stein zu gravieren und in Zinn zu gießen. „Ich hab’s einfach
versucht und es ist sofort gut geworden“, freute der Frührentner sich über
sein Erstlingswerk, das die Bremer Stadtmusikanten darstellte. Inzwischen
beherbergt seine Werkstatt rund 80 Formen. 20 hat er im Kundenauftrag graviert.
Darunter befinden sich außer Weihnachts- und Schneemänner auch Reiter, Schäfer-
und Märchenfiguren in der schönsten Ausprägung. Besonders gut sind ihm jedoch
die Fachwerkhäuser, Kirchen und Krippendarstellungen gelungen. An einer alten
japanischen Burg hat er 100 Stunden gearbeitet. Tage und Wochen ritzt er mit
einem stahlgehärteten Stichel, einem Messer und einer Lupe feinste Linien in
den Speckschiefer. „Man muss immer in Laufrichtung arbeiten und Luftkanäle
lassen“, erklärte Jeismann seinen Zuschauern. Für das Abgießen gebrauchte
er zwei Steine, in die das flüssige Zinn durch seitliche Öffnungen
hineingegossen wurde. Vor dem Gießen bestäubte er die Formen mit Talkum oder
Lycopodium. In einer Stunde kann er 20 bis 30 Stück gießen, die er auch
anschließend selbst bemalt. „Ich habe an zehn Orten ein Schaugießen
veranstaltet, aber in Quakenbrück ist es bisher am Besten angenommen worden“,
verwies Jeismann auf die gute Resonanz im Stadtmuseum. Besonders gefragt waren
seine Christbaumanhänger für das bevorstehende Weihnachtsfest bei Alt und
Jung. Viele Eltern erstanden auch einige Rohlinge, die ihre Kinder selbst
anmalen können. In der Ausstellung des Stadtmuseums sind auch historische
Werkzeuge des Zinnfigurengießers zu sehen. Wie Jeismann informierte, gibt es
heute deutschlandweit rund 60 Graveure und hervorragende MalerInnen. „Wenn man
uniformierte Soldaten darstellen möchte, muss die Historie stimmen. Die Exponate
gehen durch die Expertenkontrolle, denn jedes Regiment hatte eine andere Farbe
und andere Abzeichen“, erklärte Jeismann, warum er die Finger davon lässt. Seine einzigen „Militaristen“ sind der
Zinssoldat und Münchhausen.
Fotos und Texte: Alexandra Lüders
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